Alle Beiträge von Nia Lejander

Hi my name is Nia, and I like to play: with light, colours, sounds, the body, the senses, roles, rules, realities. I spent over a decade researching on the topic of play. Amongst my most powerful teachers were the unquestioned masters of play: children. Over the years, my initially scientifically-oriented interest transformed (back) into an intimate love-relationship with play. The creations birthed from that love are of various shapes: performances, poems, photographs, paintings... I came to understand that my job as an artist, mainly, is to be a vessel. It became a daily practice for me to make my body and all of my being a welcoming place for artistic expression. I take pleasure in cultivating an attitude of proactive-not-knowing towards life that allows mystery to work upon me and leaves space for magic and miracles to happen naturally. My work unfolds at the intersection of immersion, intervention, activism, and research.

Das kleine JA

Ein kleines JA ist mir zugeflogen.
Mitten in der Nacht.
Erst hielt ich es für ein gefährliches Raubtier, ein Monster oder einen Geist und ich schickte die Angst voraus um nachzusehn.

„Es ist nur ein jämmerliches, kleines JA!
Damit kann ich nichts anfangen“,
sagte die Angst enttäuscht und ging.

Ich aber näherte mich dem JA.
Es sah wirklich erbärmlich aus wie es da in der Ecke saß.
Voller Schmutz, verklebt und zitternd.
Ich streckte ihm meine Arme entgegen.
Ganz vorsichtig und leise.
Da reckte es sich und sprang blitzschnell auf meine Hand.
Ich nahm meine zweite Hand hinzu und umschloss es sanft.
Ich trug es in mein Haus.
Ich wusch es mit warmem Wasser,
ich entfernte Läuse und Zecken
und ich bürstete ihm das Fell.
Ich kochte ihm Haferbrei und dann nahm ich es mit in mein Bett.

In dieser Nacht bin ich mit dem JA eingeschlafen.
Und als ich am nächsten Morgen aufwachte-
war es immer noch da.
Von da an lebte ich mit dem JA.
Ich hielt es warm wenn es fror, ich fütterte und streichelte es.
Ich sang ihm etwas vor wenn es nicht einschlafen konnte
und wenn es sich fürchtete dann nahm ich es in den Arm.
Und so wurde mit den Jahren aus dem kümmerlichen, kleinen
ein großes, starkes JA.
Ein unbedingtes, ein kräftiges und lautes JA.
Ein JA zum Leben.

Die Lösung

Die Lösung ist:

Du musst dich darauf einstellen einfach
immer und immer wieder zu verlieren.
Mal haushoch, mal kurz vor knapp, mal im Kleinen und ganz still.

Aber immer: verlieren.

So lange bis du richtig gut geworden bist im Loslassen.
Tausend mal Niederlage. Tausend kleine und große Tragödien.
Bis du endlich wirklich am Boden
der Tatsachen angekommen bist.
Bis dich das Leben so lange in den Arsch gefickt hat,
dass du guten Gewissens sagen kannst:
„Jetzt bin ich geerdet!“
Nur um im nächsten Moment wieder mit einem heftigen Stoß
aus deinen Träumereien gerissen zu werden:

„Gar nichts bist du!“, brüllt dich das Leben an
und die Sabber fliegt dir um die Ohren.

„Und alles…“, flüstert es gleich darauf sanft.

Das Ding ist: Leben hat immer recht.
Du brauchst also gar nicht erst zu versuchen
das mit deinem Verstand klar zu kriegen
oder eine Diskussion darüber anzufangen.

Leben hat immer recht.

Und jetzt: „Bück dich!“

In Lak’Ech

Wir können so viel mehr sein.
Komm lass uns das Meer sein!
Du bist die Nord- und ich die Südsee.
Da wo du nur Nord,
ist da wo ich nur Süd seh‘.

Lass uns,
rundherum nur Wellenrauschen,
mal du, mal ich
den Standpunkt tauschen.

Und dann wechseln wir im Kreise-
die eigne Sicht, die eigne Weise.
Es verschieben sich die Pole.

Du erkennst und ich erkenne:
Was du Nord, was Süd ich nenne ist am Ende einerlei.
Du bist einer. Wir sind zwei.

Manchmal eins und ganz verbunden:
Polarität? Überwunden!
Manchmal einsam auch zusammen.
Wir wissen nicht wo Wir anfangen.

Lass uns einander jetzt erkennen
und es laut beim Namen nennen…

„Pssst die andren woll‘n noch pennen!“

…ich bin ein andres Du!