Es ist einfach ermüdend, gelinde gesagt,
wenn es dich jeden zweiten Tag in deine Einzelteile zerfetzt
und du dann all deine Energie dafür aufbringen musst
dich wieder zusammenzuflicken.
Unter Zeitdruck.
Ständig bedroht von der Gefahr Teile von dir zu vergessen.
Ich kann die Frage wie es mir geht nicht beantworten.
Weil es die falsche Frage ist.
Um zu bemerken wie es mir geht
müsste ich zunächst einmal wissen
wer ich überhaupt bin.
Ich müsste ein Bild von mir haben.
Aber genau das habe ich eben nicht.
Oder ich habe es manchmal.
In kurzen Momenten der Klarheit habe ich eine Idee davon.
Eine flüchtige Ahnung.
In kurzen Augenblicken habe ich und bin ich mir selbst eine Zuflucht.
Bis es mich dann wieder zerlegt und die Scherben meiner selbst
in glitzernden Regenbogenfarben den Boden bedecken.
Den Boden der Tatsachen.
Ich sehe, dass ich schön bin wenn ich mich so am Boden liegen sehe.
Aber was habe ich davon schön zu sein
wenn ich mich selbst nicht einmal besitze.
Ich gehöre mir nicht.
Ich habe keinen Bezug zu mir.
Ich sehe mich nur von außen.
Ich kenne mich nicht.
Ich weiß noch nicht einmal meinen Namen.
Ich bin mir selbst nichts weiter als eine flüchtige Bekanntschaft
oder eine kurze Begegnung.
Jemand, den man an einem kalten Wintermorgen
am Weg zur Arbeit beinahe übersieht.
Eine Realität gibt es bei mir nicht.
Tatsachen sind so flüchtig wie die Wolken am Himmel.
Es gibt keinen Standpunkt von dem ich ausgehen könnte.
Es gibt kein Zuhause wo ich mich mal eben kurz ausruhen könnte.
Ich bin ständig unterwegs,
auf der Flucht vor Geistern
und mein Rucksack ist schwer.
In der nächsten Stadt werde ich mir neue Schuhe besorgen.
Ein Leben ohne Wurzeln ist möglich.
Aber nicht wünschenswert.
„Zumindest nicht für mich“, höre ich mich sagen und muss lächeln.
Da war es wieder.
Mein ich.
Ein kurzes Aufflackern.
„Hallo Fremde!“, sage ich und dann lade ich mich selbst zum Tee ein.
Ich werde diese kurze Begegnung genießen auch wenn ich weiß, dass ich bald wieder gehen muss.
Vielleicht gelingt es mir eines Tages mich zu zähmen.
Genau so wie der kleine Prinz den Fuchs gezähmt hat.